FREIPLATZAKTION ZÜRICH

Rechtshilfe Asyl und Migration

Übersicht

 

Die Freiplatzaktion Zürich engagiert sich für eine menschliche Asyl- und Migrationspolitik. Sie setzt sich kompetent dafür ein, dass Asyl suchende und migrierende Menschen die ihnen zustehenden Rechte wahrnehmen und durchsetzen können. Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hören zu, beraten, informieren und reichen Gesuche und Beschwerden bei rechtlichen Instanzen ein. Damit trägt die Freiplatzaktion dazu bei, dass Asyl suchende und migrierende Menschen bessere Chancen zur Integration in unserer Gesellschaft haben.

In den politischen Diskurs bringt sich die Freiplatzaktion mit fundierten und prägnanten Argumenten ein. Sie informiert die Öffentlichkeit über Missstände im asyl- und ausländerrechtlichen Belangen und bezieht klar Stellung zugunsten der Rechte Asyl suchender und migrierender Menschen.

Als parteipolitisch und konfessionell unabhängiger Verein lebt die Freiplatzaktion ausschliesslich von Spenden. Im Jahr 2010 hat sie insgesamt rund 1200 Beratungen durchgeführt und für ihre KlientInnen 116 Eingaben eingereicht.

Facts & Figures

Selbstbild

Unser Engagement 

Menschen, die vor Verfolgung und Not fliehen oder ihren Familienangehörigen in die Schweiz folgen, sollen in unserem Land in Würde leben können. Daher engagiert sich die Freiplatzaktion für die Rechte von Asylsuchenden und MigrantInnen. Sie leistet damit einen Beitrag dazu, dass asylsuchende und migrierende Menschen bessere Chancen zur gesellschaftlichen Integration haben. In der Öffentlichkeit macht die Freiplatzaktion auf Missstände aufmerksam und nimmt so klar Stellung für eine respektvolle Asyl- und Migrationspolitik.

Rechtsarbeit 

Jedes Jahr verlassen weltweit Hunderttausende von Menschen ihre Heimat. Sie fliehen vor politischer Verfolgung, Gewalt oder Krieg. Ein kleiner Teil von ihnen findet, oftmals nach einer strapaziösen Reise, den Weg in die Schweiz. Als demokratischer Staat hat sich die Schweiz gemäss ihren humanitären Prinzipien verpflichtet, Verfolgte aufzunehmen und ihnen Schutz zu gewähren.

Wer als asylsuchender oder migrierender Mensch in die Schweiz kommt, ist oftmals ganz auf sich allein gestellt. Er oder sie ist im Umgang mit den hiesigen Behörden nicht vertraut, spricht keine Landessprache und kennt sich weder mit dem Rechtssystem noch mit den formellen Anforderungen an ein juristisches Verfahren aus. Gerade dieses Wissen ist jedoch notwendig, um die eigenen Rechte wahrnehmen zu können.

Deshalb leistet die Freiplatzaktion engagierte und kompetente Rechtshilfe im Asyl- und Ausländerrecht und setzt sich dafür ein, dass Asylsuchende und MigrantInnen ihre Rechte durchsetzen können. Wir hören zu, informieren und beraten, reichen Gesuche und Beschwerden bei asyl- und ausländerrechtlichen Behörden ein, fragen bei den zuständigen Stellen hartnäckig nach und vermitteln bei Bedarf. Unsere Beratungsstelle ist niederschwellig zugänglich und unsere MitarbeiterInnen sind für alle Ratsuchenden direkt erreichbar. Die Beratungen erfolgen in der Regel kostenlos. Wir richten unser Angebot jedoch schwerpunktmässig an mittellose Asylsuchende und MigrantInnen. Für Fragen und Anliegen, welche über unser Angebot hinausgehen, leiten wir die Ratsuchenden an die richtigen Stellen weiter. Menschliches Engagement auch bei aussichtslos erscheinenden Fällen ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Politische Arbeit 

Die Diskussion über die Asyl- und Ausländerpolitik ist geprägt von Polemik. Dabei dominieren eine Abwehrhaltung und die Furcht vor Missbrauch, während das Bewusstsein um die ethischen Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Hintergrund gedrängt wird. Die zunehmende Stigmatisierung von asylsuchenden und migrierenden Menschen widerspricht den humanistischen Werten der Schweiz. Asylsuchende und MigrantInnen als  wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft zu verstehen, dafür steht die Freiplatzaktion ein.

Wir lassen unsere Erfahrung aus der Rechtspraxis unmittelbar in unser politisches Engagement einfliessen und setzen uns für eine bessere rechtliche Stellung von Asylsuchenden und MigrantInnen ein. Dies vor dem Hintergrund, dass das Asyl- und das Ausländerrecht laufend verschärft werden, die Rechte der Betroffenen zusehends eingeschränkt werden und den Behörden immer mehr Ermessensspielraum übertragen wird. Auch der Abbau der durch die Verfassung garantierten Grundrechte ist längst kein Tabu mehr sind. Wir setzen uns dafür ein, dass die durch die Bundesverfassung garantierten Grundrechte dieses Landes auch für Asylsuchende und MigrantInnen gelten und diese unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus als Teil dieser Gesellschaft verstanden werden.

Um mehr politisches Gewicht zu erhalten, vernetzen wir uns mit anderen im Asyl- und Ausländerrecht aktiven Organisationen, nehmen an Kampagnen teil und lancieren eigene Vorstösse. Mit öffentlichen Veranstaltungen und Aktionen sowie Medienarbeit wollen wir die Öffentlichkeit über die asyl- und ausländerrechtliche Praxis informieren und für Missstände sensibilisieren. Dabei beziehen wir selber eine unmissverständliche Position zugunsten der Rechte von asylsuchenden und migrierenden Menschen.

Geschichte

Im Dienst der Menschlichkeit 

1940er

Der protestantische Pfarrer Paul Vogt (1900 – 1984) engagiert sich seit den Dreissigerjahren  für verfolgte Jüdinnen und Juden. Neben einigen Hilfswerken ist der später als «Flüchtlingspfarrer» bezeichnete Vogt  einer der wenigen, der sich für die Flüchtlinge einsetzt. Dabei schreckt er auch vor kritischen Worten an die Adresse der schweizerischen Behörden nicht zurück. Die opportunistische Schweizer Politik  gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland zeigt sich in der Erfindung des stigmatisierenden «J» im Pass von Jüdinnen und Juden. Gemäss der Losung «Das Boot ist voll» werden 1942 die Grenzen für aus Deutschland kommende jüdische Flüchtlinge geschlossen und diese zurückgeschickt – in den sicheren Tod.

Während des Zweiten Weltkriegs baut Paul Vogt die Freiplatzaktion auf. Im Rahmen dieser Hilfsaktion arbeiten verschiedene Institutionen und Personen aus dem konfessionellen und nichtkonfessionellen Bereich zusammen. So können zahlreiche Flüchtlinge gerettet werden und die schweizerischen Arbeitslager umgehen.  Viele der Verfolgten werden von den Mitarbeitern der Freiplatzaktion privat untergebracht und betreut.  In Böckten bei Sissach, in Tänikon bei Aadorf, in Breganzona und in Klosters entstehen vier Freiplatzheime für jüdische Flüchtlinge.  Finanziert wird die Aktion durch den von Vogt initiierten Flüchtlingsbatzen. 1943 wird Vogt das vom Kirchenbund ins Leben gerufene Flüchtlingspfarramt übertragen, wobei er sich zu einem grossen Teil der Koordination der Freiplatzaktion widmen kann.

1973

30 Jahre später lassen AktivistInnen der Kooperative Longo mai und ein anderer «Flüchtlingspfarrer», Cornelius Koch (1940 – 2001), die Idee der Freiplatzaktion wieder aufleben. Wiederum wird eine Aktion gestartet, um Flüchtlinge bei Privatleuten unterzubringen. Nach dem Militärputsch durch Pinochet in Chile weigert sich der Bundesrat, politische Flüchtlinge aus Chile in die Schweiz einreisen zu lassen, obwohl Tausende Anhänger des gestürzten sozialistischen Präsidenten Allende systematisch verfolgt und auch getötet werden. Für die Lancierung der zweiten Freiplatzaktion im Dezember 1973 schart Koch ein Unterstützungskomitee von über 50 Personen um sich, zu dem Menschen aus verschiedensten Bereichen, darunter auch ParlamentarierInnen, gehören. Die breit abgestützte Vision einer solidarischen Asylpolitik, welche sich gegen die offizielle schweizerische Politik richtet, löst eine Welle der Solidarität aus: Auf den ersten Rundbrief der Freiplatzaktion melden sich Gemeinden, Kirchgemeinden, Klöster, und Hunderte von Privatpersonen, die Opfer des chilenischen Umsturzes bei sich aufnehmen wollten. Trotz den über 2500 privaten Angeboten will der Bundesrat aber keine Flüchtlinge aus Chile einreisen lassen und führt zur Abschreckung  eine Visumspflicht für chilenische Staatsangehörige ein.  Via Italien können dennoch  zahlreiche chilenische Flüchtlinge in die Schweiz einreisen. Letzten Endes können sich dank der Freiplatzaktion über 2000 Chilenen in der Schweiz in Sicherheit bringen.

1980er

In den 80er Jahren gab es weitere Aktionen der FPA, die sich darum bemühten, illegal Eingereiste unterzubringen.

1986 bezieht die FPA erstmal ihr Büro und es entsteht eine erste Untergruppe, die den Kontakt zu Asylsuchenden herstellt. Die Freiplatzaktion organisiert Aktionen gegen die Rückschaffungen von Tamilen, unterstützt Asylsuchende  im Asylverfahren, stellt Wohnungen zur Verfügung und engagiert sich politisch gegen Asylgesetzverschärfungen, die u.a. der schnellen Abfertigung gelten. Eine erste bezahlte Stelle wird geschaffen werden.

Zwei Jahre später zieht die Freiplatzaktion in das Büro an der Langstrasse 64. Neben der Rechtsberatung wird eine Kerngruppe gegründet, welche als offenes Forum die Asylbewegung vorantreibt. Die Arbeit der Freiplatzaktion besteht nun aus persönlicher Beratung auf der einen Seite und Öffentlichkeitsarbeit auf der anderen Seite.
Obwohl heute in einer anderen Weise und mit anderen Mittel gearbeitet werden, soll jedoch die Idee Vogts nicht in Vergessenheit geraten.

Personen

Vorstand 

Anna Paganini

Anna Paganini (Präsidentin)

 

Katharina Walser

Katharina Walser

 

 

Mike Birrer

Mike Birrer

 

Paula Custer

Paula Custer

 

Filiz Yoker

Filiz Yoker

 

Lucas Gschwind

Lucas Gschwind

 

Anton Danuser

Antonio Danuser

 

Schelivan Chantay

Schelivan Chantay

 

Bild Vorstandsmitglied

Eva Käser

 

Bild Vorstandsmitglied

Matthias Fenner