1940er
Der protestantische Pfarrer Paul Vogt (1900 – 1984) engagiert sich seit den Dreissigerjahren für verfolgte Jüdinnen und Juden. Neben einigen Hilfswerken ist der später als «Flüchtlingspfarrer» bezeichnete Vogt einer der wenigen, der sich für die Flüchtlinge einsetzt. Dabei schreckt er auch vor kritischen Worten an die Adresse der schweizerischen Behörden nicht zurück. Die opportunistische Schweizer Politik gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland zeigt sich in der Erfindung des stigmatisierenden «J» im Pass von Jüdinnen und Juden. Gemäss der Losung «Das Boot ist voll» werden 1942 die Grenzen für aus Deutschland kommende jüdische Flüchtlinge geschlossen und diese zurückgeschickt – in den sicheren Tod.
Während des Zweiten Weltkriegs baut Paul Vogt die Freiplatzaktion auf. Im Rahmen dieser Hilfsaktion arbeiten verschiedene Institutionen und Personen aus dem konfessionellen und nichtkonfessionellen Bereich zusammen. So können zahlreiche Flüchtlinge gerettet werden und die schweizerischen Arbeitslager umgehen. Viele der Verfolgten werden von den Mitarbeitern der Freiplatzaktion privat untergebracht und betreut. In Böckten bei Sissach, in Tänikon bei Aadorf, in Breganzona und in Klosters entstehen vier Freiplatzheime für jüdische Flüchtlinge. Finanziert wird die Aktion durch den von Vogt initiierten Flüchtlingsbatzen. 1943 wird Vogt das vom Kirchenbund ins Leben gerufene Flüchtlingspfarramt übertragen, wobei er sich zu einem grossen Teil der Koordination der Freiplatzaktion widmen kann.
1973
30 Jahre später lassen AktivistInnen der Kooperative Longo mai und ein anderer «Flüchtlingspfarrer», Cornelius Koch (1940 – 2001), die Idee der Freiplatzaktion wieder aufleben. Wiederum wird eine Aktion gestartet, um Flüchtlinge bei Privatleuten unterzubringen. Nach dem Militärputsch durch Pinochet in Chile weigert sich der Bundesrat, politische Flüchtlinge aus Chile in die Schweiz einreisen zu lassen, obwohl Tausende Anhänger des gestürzten sozialistischen Präsidenten Allende systematisch verfolgt und auch getötet werden. Für die Lancierung der zweiten Freiplatzaktion im Dezember 1973 schart Koch ein Unterstützungskomitee von über 50 Personen um sich, zu dem Menschen aus verschiedensten Bereichen, darunter auch ParlamentarierInnen, gehören. Die breit abgestützte Vision einer solidarischen Asylpolitik, welche sich gegen die offizielle schweizerische Politik richtet, löst eine Welle der Solidarität aus: Auf den ersten Rundbrief der Freiplatzaktion melden sich Gemeinden, Kirchgemeinden, Klöster, und Hunderte von Privatpersonen, die Opfer des chilenischen Umsturzes bei sich aufnehmen wollten. Trotz den über 2500 privaten Angeboten will der Bundesrat aber keine Flüchtlinge aus Chile einreisen lassen und führt zur Abschreckung eine Visumspflicht für chilenische Staatsangehörige ein. Via Italien können dennoch zahlreiche chilenische Flüchtlinge in die Schweiz einreisen. Letzten Endes können sich dank der Freiplatzaktion über 2000 Chilenen in der Schweiz in Sicherheit bringen.
1980er
In den 80er Jahren gab es weitere Aktionen der FPA, die sich darum bemühten, illegal Eingereiste unterzubringen.
1986 bezieht die FPA erstmal ihr Büro und es entsteht eine erste Untergruppe, die den Kontakt zu Asylsuchenden herstellt. Die Freiplatzaktion organisiert Aktionen gegen die Rückschaffungen von Tamilen, unterstützt Asylsuchende im Asylverfahren, stellt Wohnungen zur Verfügung und engagiert sich politisch gegen Asylgesetzverschärfungen, die u.a. der schnellen Abfertigung gelten. Eine erste bezahlte Stelle wird geschaffen werden.
Zwei Jahre später zieht die Freiplatzaktion in das Büro an der Langstrasse 64. Neben der Rechtsberatung wird eine Kerngruppe gegründet, welche als offenes Forum die Asylbewegung vorantreibt. Die Arbeit der Freiplatzaktion besteht nun aus persönlicher Beratung auf der einen Seite und Öffentlichkeitsarbeit auf der anderen Seite.
Obwohl heute in einer anderen Weise und mit anderen Mittel gearbeitet werden, soll jedoch die Idee Vogts nicht in Vergessenheit geraten.